Ulrike Kaidas-Andresen

Sprecherin GGG LV Hamburg

Stellvertretende Bundesvorsitzende

email: ulrikekaidas-andresen[at]gmx.de

 

Stellungnahme des GGG Landesverbandes Hamburg zur gegenwärtigen Krise der Hamburger Schulreform

 

Seit mehr als einem Jahr arbeiten die Gesamtschulen und die Schulen anderer Schulformen daran, ihre Schulen auf die neuen strukturellen und pädagogisch-inhaltlichen Vorgaben der vom Senat eingeleiteten Schulreform vorzubereiten. Ziel ist es, diesen Übergang möglichst ohne große Reibungsverluste vonstatten gehen zu lassen.

Dieser Prozess wird jetzt durch erhebliche Unsicherheiten belastet. Da ist zum einen die unerwartet hohe Zustimmung zum Volksbegehren „Wir wollen lernen“, die zu Irritationen hinsichtlich der Frage geführt hat, wie es weiter gehen kann und soll. Die Unsicherheiten werden noch durch die Ankündigung des Senats verstärkt, sich eventuell auf einen Kompromiss mit den Gegnern der Schulreform einzulassen. Davor kann nur eindringlich gewarnt werden.

 

Die vorliegenden Rahmenkonzeptionen stellen bereits einen Kompromiss dar. Der Kompromiss war unausweichlich, da sich in der neuen Schulstruktur sowohl die Vertreter des gegliederten Schulwesens wie auch die Vertreter einer Schule für alle wieder finden sollten. Die vorgeschlagene Struktur balanciert die unterschiedlichen Interessen sorgfältig aus und gibt der Primarschule und der Stadtteilschule die Chance, sich entsprechend ihren jeweiligen Aufgaben und Zielen zu entwickeln. Hervorzuheben ist, dass die Aufgaben und Ziele der Gymnasien und der Stadtteilschule in den Rahmenkonzeptionen gleich formuliert werden und die Stadtteilschulen in Hinblick auf ihre schwierigere Aufgabe mit einer besseren Lehrerausstattung rechnen können. Diese Chance muss jetzt genutzt werden, wenn die GGG auch nach wie vor davon überzeugt ist, dass die Eine Schule für alle die bessere Lösung für die anstehenden Probleme gewesen wäre. Aber auch die von der Bürgerschaft beschlossene Schulreform kann einen wichtigen Beitrag dazu leisten, den unstrittig vorhandenen Nachholbedarf des Hamburger Schulwesens in pädagogisch-inhaltlicher wie struktureller Hinsicht schrittweise abzuarbeiten und das längere gemeinsame Lernen aller Schülerinnen und Schüler vorzubereiten.  Dazu brauchen die Schulen eine klare und verlässliche Handlungsperspektive und die Gewissheit, dass nicht hinter die in der Rahmenkonzeption formulierten neue Lernkultur und die beschlossenen Ausstattungsstandards zurückgefallen wird.

Das gilt für die Primarschule, wenn sie ihre in vielen Jahren entwickelten Formen des Lernens konsequent auch in den Jahrgangsstufen 5 und 6 fortführen kann; hier unter Einbeziehung der Erfahrungen der Schulen des Sekundarbereichs, die ebenfalls seit Jahren erfolgreich selbst verantwortetes Lernen ohne äußere Differenzierung praktizieren.

Und das gilt besonders für die Stadtteilschule, die sich unter der Vorgabe der Zweigliedrigkeit und der mit ihr verbundenen Selektion nur dann zu einer gleichwertigen – nicht gleichartigen – Schulform entwickeln kann, wenn ihr die verbliebenen vier Jahre für einen kontinuierlichen Bildungsgang mit einer stabilen Schülerschaft zur Verfügung stehen. Das wird dadurch gewährleistet, dass Stadtteilschule und Gymnasium die Schüler, die sie zu Beginn der

 

Jahrgangsstufe 7 aufnehmen, bis zum Ende der Sekundarstufe I behalten und individuell fördern. Wenn jetzt über eine stärkere Beteiligung der Eltern an der Entscheidung, welcher Schüler und welche Schülerin das Gymnasium besuchen darf, diskutiert wird, darf an dieser

Vorgabe nichts geändert werden. Schulformwechsler, die von der Stadtteilschule im Verlauf oder am Ende der Jahrgangsstufe 8 aufgenommen werden müssten, würden den Lernprozess der Stadtteilschüler gefährden und die Stadtteilschule zur Schulform zweiter Klasse werden lassen. Das muss von denen, die die Schulreform zum Erfolg führen wollen, verhindert werden. Denn der Erfolg der Schulreform hängt nicht nur vom Gelingen der Primarschule, sondern auch vom Gelingen der Stadtteilschule ab.

 

Hamburg, Dezember 2009

 

 

 

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