Vereinigung der Schulleiter/innen der Stadtteilschulen in Hamburg

in der GGG – Verband für Schulen des gemeinsamen Lernens

 

  Sprecher/innen

Carola Fichtner

Stadtteilschule Bahrenfeld

Bodo Giese

Nelson Mandela Schule

Pit Katzer

Erich Kästner Schule

Helga Wendland

Ida Ehre Schule

 

 

 

Presseerklärung vom 19.2.14

 

Die Stadtteilschulleitungen schlagen Alarm:

Wir benötigen mehr politische Unterstützung, Personal und Räume,

damit die Inklusion gelingen kann.

 

Nach über drei Jahren Erfahrung mit der flächendeckenden Umsetzung der Inklusion nehmen wir als Schulleiter/innen der Stadtteilschulen Stellung zu der Frage, was getan werden muss, damit die Inklusion gelingen kann.

 

Wir begrüßen das uneingeschränkte Elternrecht auf inklusive Beschulung von Schülern mit sonderpädagogischem Förderbedarf und sehen darin ein unverzichtbares Menschenrecht.

Wir wollen die Inklusion so gestalten, dass sie für alle Schüler ein Gewinn ist, dass sich alle Schüler entsprechend ihren individuellen Möglichkeiten entwickeln und Leistungen erbringen können.

Deshalb müssen von den Stadtteilschulen und von den politisch Verantwortlichen die notwendigen Rahmenbedingungen für eine gelingende Inklusion geschaffen werden.

 

In den Stadtteilschulen geht es um die Weiterentwicklung einer inklusiven Pädagogik und Didaktik:

 

·     In den Klassen muss gezielt darauf hin gearbeitet werden, dass sich eine Lerngemeinschaft entwickelt, in der sich alle respektieren und sich gegenseitig unterstützen.

·     Der Unterricht muss so gestaltet sein, dass jeder Schüler ein Lernangebot vorfindet, das ihn in seinem Lernen fordert und fördert.  

·     Die Rückmeldungen zu den Lernfortschritten müssen sich auf die individuelle Entwicklung des einzelnen Schülers und auf die Bildungspläne beziehen.

·     Die Zusammenarbeit der Pädagogen muss weiterentwickelt und auf die Arbeitszeit angerechnet werden, damit gemeinsame Unterrichts- und Förderkonzepte erarbeitet und umgesetzt werden können.

 

Wir stellen uns als Schulleiter/innen dieser umfassenden Unterrichts- und Schulentwicklungsaufgabe in den Stadtteilschulen mit ganzer Kraft. Es ist eine Aufgabe, die sehr anspruchsvoll und langwierig ist, weil sie von allen Pädagogen eine Haltungsänderung und die Erweiterung ihrer pädagogischen und didaktischen Kompetenzen erfordert.

 

Dieser Teil der Gelingensbedingungen liegt in unserer Verantwortung als Schulleitungen.

 

In der Verantwortung der Politik liegt es, die notwendige personelle, räumliche und sachliche Ausstattung für eine gelingende Inklusion bereit zu stellen. Dies ist aber leider an den meisten Schulen nicht der Fall.

 

 

Die Folgen spüren wir an unseren Schulen täglich. Die personelle Ausstattung reicht nicht, um für alle Schüler ein für sie passendes individuelles Lernangebot sowie die notwendige Begleitung und Unterstützung im Unterricht zu gewährleisten. Es fehlen Differenzierungs-, Ruhe- und Therapieräume sowie Gelder für eine entsprechende sachliche Ausstattung von Räumen und Unterrichtsangeboten.

 

 

Die besondere Situation der Stadtteilschulen bzgl. der Inklusion muss bei der Personalausstattung berücksichtigt werden

 

1.      Der Anteil von Schülern mit den Förderschwerpunkten Lernen, Sprache und emotionale/soziale Entwicklung (LSE) ist in den Stadtteilschulen mehr als doppelt so hoch wie an den Grundschulen. Durchschnittlich sind es 3-4 Schüler pro Klasse.

 

2.      An vielen Stadtteilschulen ist der Anteil an leistungsstarken und sozialkompetenten Schüler deutlich geringer als in den Grundschulen, da der größte Teil dieser Kinder nach der Grundschule ins Gymnasium übergeht. Das schwächt die Integrationskraft dieser Lerngruppen, was durch vermehrte Arbeit der Pädagogen kompensiert werden muss.

 

3.      Die Klassengrößen sind an den Stadtteilschulen höher als an den Grundschulen. Der Unterschied ist an KESS 1/2-Schulen besonders hoch.

 

4.      Die deutliche Verringerung der Schüler ohne  Schulabschluss ist erklärtes bildungspolitisches Ziel des Senats. Dies kann nur gelingen, wenn die Förderung der LSE-Schüler an den Stadtteilschulen intensiviert wird.

 

5.      Das Gelingen der Inklusion an den Stadtteilschulen ist nicht nur für die betroffenen Schüler notwendig sondern auch für das Gelingen der Schulform Stadtteilschule selbst.

 

Wir fordern von Senat und Bürgerschaft

 

·       Bei der Personalzuweisung muss von der tatsächlichen Zahl der Schüler  mit sonderpädagogischem Förderbedarf im Bereich LSE an den Stadtteilschulen ausgegangen werden, die im kommenden Jahrgang 5 mit 15,6% fast doppelt so hoch ist wie die  von der Schulbehörde zugrunde gelegten 8%.

 

·       Die zusätzlichen Lehrerwochenstunden pro LSE-Schüler müssen auf Grund der o.g. besonderen Bedingungen der Stadtteilschulen von 3 auf 5 Stunden erhöht werden, um im Unterricht allen Schülern gerecht werden zu können.

 

·       Für die Schüler mit den Förderschwerpunkten geistige und körperliche Entwicklung, Hören, Sehen und Autismus muss die Zahl der zusätzlichen Lehrerwochenstunden ebenfalls um zwei Stunden erhöht werden. Nur so können die Stadtteilschulen auch für diese Schüler ein tragfähiges inklusives Lernangebot schaffen. Die massive Personalkürzung für diese Schüler gegenüber den früheren Integrationsklassen hat inzwischen dazu geführt, dass  jetzt weniger Schüler mit einer geistigen Behinderung inklusiv beschult werden als vor der Abschaffung der Integrationsklassen.

 

·       Für die Inklusion müssen zusätzliche Differenzierungs-, Ruhe- und Therapieräume im Musterflächenprogramm für die Stadtteilschulen vorgesehen sein.

 

Wir sind uns bewusst, dass die Erfüllung unserer Forderungen sehr viel Geld kostet. Wenn die Inklusion hochwächst, werden langfristig 40- 50 Millionen Euro pro Jahr zusätzlich benötigt.

Wir wissen aber auch, dass für die 2009/10 geplante Primarschulreform von der Bürgerschaft insgesamt zusätzliche 65 Millionen Euro jährlich vorgesehen waren, während für die viel anspruchsvollere Aufgabe der schulischen Inklusion keine zusätzlichen Mittel bereitgestellt wurden. Die Inklusion wird zurzeit ausschließlich durch Umverteilung innerhalb des Schuletats finanziert.

Das muss sich grundlegend ändern, damit alle unsere Schüler ihr Recht auf gelingende Inklusion und bestmögliche persönliche und Leistungsentwicklung wahrnehmen können und die UN-Konvention über die Recht der Menschen mit Behinderungen substanziell umgesetzt wird.

Bildungsinvestitionen sind die besten Investitionen in die Zukunft.

 

 

 

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