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Landesverband Hamburg



Hamburg, d. 15.4.08

Primarschulen ja – aber nicht so

 

CDU und GAL haben in ihren bisherigen Koalitionsverhandlungen vereinbart, die Zeit des gemeinsamen Lernens für alle Schülerinnen und Schüler auf 6 bzw. 7 Jahre zu verlängern. Das ist nur zu begrüßen. Es zeigt sich nur immer deutlicher die Gefahr, dass die vorgesehene Umsetzung die Intentionen des Konzepts zu konterkarieren droht.

Was soll die Verlängerung der gemeinsamen Schulzeit bringen?

  • Längere Zeit des gemeinsamen Lernens in einem für alle Schülerinnen und Schüler anregungsreichen Lernmilieu
  • Verfrühte Selektion vermeiden
  • Größere Diagnosesicherheit hinsichtlich der weiteren Schullaufbahn

Das Wichtigste ist dabei sicherlich, dass die in Deutschland übliche verfrühte Selektion der 10-Jährigen hinausgeschoben wird. Das aber ist nur zu gewährleisten, wenn die Primarschulen untereinander gleichwertig sind und von den Eltern auch so eingeschätzt werden. Primarschulen, die selbstständig oder Schulen angegliedert sind, die von allen Schülern und Schülerinnen auch nach der Jahrgangsstufe 6 weiter besucht werden können, bieten dafür die Gewähr.

Werden einige Primarschulen Gymnasien zugeordnet, wird dieses Prinzip der Gleichwertigkeit verletzt. Das hat nichts mit der pädagogischen Arbeit der jeweiligen Primarschule zu tun; es hat etwas damit zu tun, dass Primarschulen, die Gymnasien zugeordnet sind, in den Augen vieler Eltern als die „besseren“ eingeschätzt werden.  Vermeintlich besser, weil hier die Schüler und Schülerinnen – zumindest die, die am Gymnasium verbleiben dürfen - kontinuierlich von der Jahrgangsstufe 1 oder 4 bis zum Abitur geführt werden. Eltern, die ihr Kind unter allen Umständen auf ein Gymnasium schicken wollen, werden die Primarschule, die einem Gymnasium zugeordnet ist,  als die bessere Vorbereitung für eine gymnasiale Schullaufbahn ansehen. Weil das so ist, werden viele Eltern versuchen, für ihr Kind einen Platz an einer solchen Schule zu erhalten.

Damit würde die Selektion, die eigentlich hinausgeschoben werden soll, entgegen allen proklamierten Intentionen nach vorne in die 1. oder die 4. Klasse verlegt. Das kann nicht gewollt sein.

Bemerkenswert ist dabei, dass die GAL mit den Primarschulen für die Gymnasien hinter den Schulkompromiss der Weimarer Republik zurückfällt. Es zählt zu den Errungenschaften der Weimarer Republik, dass sie durch Verfassung und Reichsgrundschulgesetz die vierjährige Grundschule eingeführt und die in der Kaiserzeit üblichen privaten Vorschulen für die späteren Gymnasiasten aufgehoben hat. Die sollen jetzt wieder in leicht veränderter Form eingeführt werden. Mit der GAL zurück zu Kaiser Wilhelm?

 

Pressemitteilung zu den Koalitionsverhandlungen

 

 

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