Gemeinnützige
Gesellschaft
Gesamtschule e. V.
Gesamtschulverband

- Landesverband Hamburg -

Pressemitteilung

Hamburg, d. 11.12.01

GGG Landesverband Hamburg zu den Ergebnissen der PISA-Studie:

Einer Schulstruktur-Debatte kann nicht mehr ausgewichen werden.

Die Ergebnisse der PISA-Studie liegen vor und nun auch bereits Erklärungen der KMK und der Bildungspolitiker fast aller Bundesländer. Übereinstimmend wird festgestellt, dass diese Studie von ihrer wissenschaftlichen Anlage her Ernst genommen werden muss, dass ihre Ergebnisse für das Schulwesen in Deutschland verheerend sind und dass Grundlegendes geschehen muss. "Die Ergebnisse verlangen komplexe und differenzierte Antworten", heißt es in der Stellungnahme der KMK vom 06.12.01.
Solche Antworten können selbstverständlich noch nicht vorliegen, aber die von Politikern und Verbänden vorgetragenen Ansätze zeigen, dass komplexe Antworten vielfach nicht wirklich angestrebt werden. Die KMK insgesamt hat sich auf Schwerpunkte verständigt, die alle von Bedeutung sind und wichtige Aspekte der PISA-Ergebnisse aufgreifen. Das gilt für die Frühförderung der Sprachentwicklung, für die Verbesserung des Unterrichts und der Lehrerbildung ebenso wie für die Förderung der Migrantenkinder. Auch die angekündigten Bemühungen einzelner Bundesländer, in größerem Umfang als bisher Ganztagsschulen einzurichten oder insbesondere leistungsschwächere Schüler und Schülerinnen zu fördern, können nur unterstützt werden. Alle diese Maßnahmen können dazu beitragen, die Fähigkeiten der Schüler in den Bereichen, die mit PISA untersucht worden sind, zu verbessern.
Und doch greifen sie zu kurz; sie werden gewichtige Probleme des deutschen Schulwesens, die PISA sichtbar gemacht hat, nicht lösen können:

  • die schmale Leistungsspitze und
  • die fehlende Chancengleichheit

Diese Problemkreise müssen in der vor uns liegenden Bildungsdebatte ausdrücklich thematisiert werden. Das wird nur gelingen, wenn sich die Bildungsdebatte nicht von vornherein auf die durchaus wichtigen Bereiche sprachliche Frühförderung, Unterricht, Lehrerbildung und Förderung der Migrantenkinder verengt, sondern die Frage nach einer optimalen Schulstruktur gleichrangig mit einbezieht.
Europäische und außereuropäische Länder, die in ihrem Schulwesen die Schüler und Schülerinnen nicht schon nach der Grundschulzeit bestimmten Bildungsgängen zuordnen, haben nachgewiesen, dass

  • gerade bei einer breiten Bildungsbeteiligung eine breite Leistungsspitze realisierbar ist und
  • sozial und familiär bedingte ungünstige Schülervoraussetzungen durch Schule weit mehr, als es bei uns geschieht, ausgeglichen werden können.

Die Schulstruktur ist also offensichtlich ein wichtiger Faktor für die Gestaltung eines Schulwesens. Die quälende Erinnerung an die Schulformdebatten der vergangenen dreißig Jahre in Deutschland, die wie Staatsrat Lange es formuliert hat - "unterbestimmt" waren, lassen viele vor einer Neuauflage zurückschrecken. Viele möchten es bei einer Diskussion um die "gute Schule" belassen. Wenn aber alle Erfahrungen der erfolgreicheren Länder für unser Bildungswesen genutzt werden sollen, darf die Frage nach der Schulstruktur nicht ausgeklammert bleiben. Die Schulstruktur ist nicht alles, aber ohne eine optimale Schulstruktur ist alles nichts.
Längst ist erwiesen, dass die Durchlässigkeit des gegliederten Schlsystem vor allem eine Durchlässigkeit nach unten ist.
Daher bleibt es für den Gesamtschulverband bei dem Ziel, ein Schulsystem zu schaffen, das alle Kinder und Jugendlichen so gut wie möglich fördert, und das heißt für uns: die integrierte Gesamtschule für alle.

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