Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule e. V.
- Gesamtschulverband -
Landesverband Hamburg
ViSdP: Inge Noack


PRESSEMITTEILUNG
zu den Kürzungsmaßnahmen des Hamburger Senats und der Bildungssenatorin

10. Juni 2004

Die Bildungssenatorin Dinges-Dierig missachtet das Schulgesetz und lässt bessere pädagogische Arbeit an Gesamtschulen unberücksichtigt. Gegen alle pädagogische Vernunft setzt die (unabhängige) Senatorin mit der CDU auf das gegliederte Schulwesen.

Wieder sind die Gesamtschulen überproportional durch das "Umschichtungspro-gramm" von Kürzungen betroffen. Das war schon in den Jahren 2000, 2002 und 2003 so. Es ist eine deutliche Benachteiligung der Kinder, die diese Schulform besuchen. Und es ist ein Affront gegen die Lehrkräfte, die in den integrierten Gesamtschulen arbeiten.

Seit den mit dem Arbeitszeitmodell 2003 vorgenommenen Kürzungen sind die Gesamtschulen nicht mehr besser als die Realschulen, integrierten Haupt- und Realschulen und besonders die Hauptschulen ausgestattet. Nach den von Frau Senatorin Dinges-Dierig eingeleiteten "Umschichtungen" werden sie sogar deutlich schlechter als der gesamte HR-Bereich ausgestattet sein. Hier wird der besondere pädagogische Auftrag der Gesamtschulen, der im Schulgesetz vorgegeben ist, missachtet. Im Unterschied zu allen Schulformen des gegliederten Schulwesens und zur integrierten Haupt- und Realschule haben nur die Gesamtschulen den Auftrag, durch innere und äußere Differenzierung den Zugang zu allen Abschlüssen am Ende der Sekundarstufe I offen zu halten und die Schülerinnen und Schüler nach Maßgabe ihrer Abschlüsse zu befähigen, ihren Bildungsweg in berufs- oder in studienqualifizierenden Bildungsgängen fortzusetzen. Dieser besondere Auftrag erfordert auch besondere Mittel.

Der von der Senatorin verkündeten Zielsetzung "Kein Abschluss ohne Anschluss" kann man nur zustimmen. Wenn aber wirklich alle die Schüler und Schülerinnen gefördert werden sollen, die Schwierigkeiten haben, einen Hauptschulabschluss zu erreichen, dann müssen alle die Schulformen unterstützt werden, in denen diese Jugendlichen unterrichtet werden, und nicht nur die Hauptschulen. Es geht doch um Schüler und Schülerinnen und nicht um Schulformen. Immerhin verlassen mindestens ebensoviel Schülerinnen und Schüler mit einem Hauptschulabschluss die Gesamtschulen wie die Hauptschulen. In manchen Jahren waren es sogar mehr.

Nach den LAU-Ergebnissen lernen Kinder aus dem untersten Leistungsviertel mehr, wenn sie in integrierten Gesamtschulen unterrichtet werden als in den getrennten Haupt- und Realschulen. In den Klassen 7 und 8 haben Gesamtschülerinnen und –schüler deutlich größere Lernfortschritte als die Gymnasiasten erreicht. Gleichzeitig fördern die Gesamtschulen Schülerinnen und Schüler, deren Schullaufbahn aufgrund ihres unausgeglichenen Leistungsprofils Ende der Grundschulzeit schwer zu prognostizieren war, zur Versetzung in die gymnasiale Oberstufe. Damit leisten die Gesamtschulen einen wichtigen Beitrag zur Bildungsbeteiligung junger Menschen.

"Umschichtung" durch Erhöhung der Klassen-Basisfrequenzen sind Kürzungen, die vor allem zu Lasten der Kinder gehen.

Für die Gesamtschulen umfasst die Reduzierung der Bedarfsgrundlagen ca. 7 %. Es geht nicht nur darum, dass aus Klassen von bisher rechnerisch 19,5 Schülern jetzt Klassen von 21 Schülern werden. So kleine Klassen hat es nie gegeben. Eine nach der Basisfrequenz organisierte Klasse soll nur so viele Lehrerstunden erhalten, wie die Stundentafel vorsieht, also keine Teilungsstunden für den naturwissenschaftlichen Unterricht, keine Stunden, um zusätzliche Differenzierungs- oder Wahlpflichtgruppen einrichten zu können, keine Stunden zum Fördern. Um diese für einen pädagogisch sinnvollen Unterricht erforderlichen Lehrerstunden zu "erwirtschaften", mussten bisher die Klassen an Gesamtschulen auf 26 bis 27 Schüler aufgefüllt werden, zum Schuljahr 2004/2005 werden es 28 bis 29 Kinder sein müssen. Damit erhöhen sich auch die Frequenzen in den naturwissenschaftlichen und anderen Fachlerngruppen, wie z. B. Arbeitslehre. Das Raumprogramm, nach dem die Raumgrößen der Unterrichtsräume festgelegt werden, sieht weder Klassenräume für 29 Schüler und Schülerinnen noch Fachräume mit entsprechend vielen Arbeitsplätzen/Werkbänken vor.

Eine ungeheuerliche Maßnahme ist auch die Kürzung bis zu 60 % bei bestehenden Ganztagsschulen, die zumeist Gesamtschulen sind, zugunsten der Einrichtung von sogenannten Ganztags-Gymnasien. Das kann die Bundesregierung nicht gemeint haben mit ihrem Investitionsprogramm " Zukunft Bildung und Betreuung". Der Senat und die Bildungssenatorin schränken damit den Kindern ihre Bildungschance kräftig ein, die jetzt die bestehenden Ganztagsschulen besuchen.

Ein gute Bildungssenatorin würde eine Bildungspolitik für alle Kinder dieser Stadt machen und nicht gegen sie, wie jetzt geplant.

Wir fordern die Rücknahme der überproportionalen Kürzungen an Gesamtschulen!

 

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