Gemeinnützige
Gesellschaft
Gesamtschule e. V.
Gesamtschulverband

- Landesverband Hamburg -

Pressemitteilung

Angriff auf die Gesamtschule

Am 30.05.2002 hat der Bildungssenator Lange verkündet, dass in den Klassen 5 bis 10 der Gesamtschulen vom kommenden Schuljahr an 143 Lehrerstellen eingespart werden sollen, das entspricht einer Reduzierung der Bedarfsgrundlagen von 10,3 %.
Einen solchen radikalen Eingriff in den laufenden Betrieb einer Schulform hat es bisher weder in Hamburg noch in einem anderen Bundesland gegeben. Das geht an die Substanz und den Kern der Gesamtschulen! Die Zukunft der Integrierten Gesamtschulen wird aufs Spiel gesetzt!
Ohne Begründung wenn man nicht die stereotyp vorgetragene und ideologisch besetzte Formulierung, die Gesamtschulen seien immer bevorzugt worden, dafür nimmt wird massiv in die Bedarfsgrundlagen dieser Schulform eingegriffen, so dass sich die Frage stellt, ob die Sparmaßnahmen nur als Vorwand dienen, diese bewährte und von 30% der Eltern bevorzugte Schulform zu vernichten. Die Einschnitte sind so tiefgreifend, dass sie - im Unterschied zu den letzten Kürzungen des rot-grünen Senats von 1999 und 2000, die schon 118 Stellen umfasst haben - nicht im Rahmen der seit Jahren gewachsenen und bewährten pädagogisch-organisatorischen Struktur der Gesamtschulen aufgefangen werden können.
Die Gesamtschule in Hamburg kann angesichts der zusammen gestrichenen Bedarfsgrundlagen nicht mehr so wie bisher weiter geführt werden. Da die Schülerstunden im vollen Umfang erhalten bleiben, konzentrieren sich die Kürzungen auf die Lehrerstunden, die vorgesehen sind

  • für die Teilung der Klassen z.B. in Physik oder Arbeitslehre,
  • für die Leistungsdifferenzierung ( z.B. in den Fächern Deutsch, Englisch, Mathematik)
  • für die Interessendifferenzierung im Wahlpflichtbereich
  • und für die Bereiche Fördern, Tutorenarbeit und Koordination.

Für diese Bereiche werden mehr als ein Drittel der Stunden - ca. 35 % - gestrichen. Eine vierzügige Gesamtschule verliert auf einen Schlag vier Lehrkräfte.
Die Gesamtschule kann ohne diese Lehrerstunden ihren im Schulgesetz verankerten besonderen pädagogischen Auftrag im bisherigen Umfang nicht mehr erfüllen!
Die Integrierte Gesamtschule nimmt alle Schüler und Schülerinnen in ihre Klassen 5 auf, sie kennt kein Sitzenbleiben, sondern fördert unterschiedlich leistungsfähige Kinder mit vielfältigen Differenzierungsformen, sie hält den Zugang zu allen Abschlüssen möglichst lange offen und fördert die individuellen Interessen und Neigungen der Schüler und Schülerinnen in einem breiten Wahlpflichtbereich. Sie führt viele Jugendliche zum Abitur, die ihre Leistungsfähigkeit erst im Verlauf der Mittelstufe entwickeln, und in der Gesamtschule schließen auch weniger Schülerinnen und Schüler als in anderen Schulformen ihre Schulzeit ohne einen Abschluss ab. Die Gesamtschule entwickelt und fördert in besonderem Maße die soziale Kompetenz von Kindern. Das alles gilt für Kinder aus unterschiedlichen sozialen Schichten wie auch für Schüler und Schülerinnen mit Migrationshintergrund.
Die Ergebnisse der internationalen PISA-Studie, die die Leistungsfähigkeit integrierter Schulsysteme in anderen Ländern eindrucksvoll nachgewiesen haben, wie auch die Ergebnisse der Hamburger Lernausgangslagen-Untersuchung, nach der die Gesamtschulen in allen Bereichen hervorragend abschneiden, sind schwerwiegende Argumente für den Erhalt und vor allem die Weiterentwicklung von integrierenden Schulsystemen, in Hamburg insbesondere der Integrierten Gesamtschulen!
Wir, als Gesamtschulverband (GGG), fordern daher:

  • Das Kaputtsparen der Gesamtschule muss zurück genommen werden.
  • Der Senat und die Hamburger Bürgerschaft müssen dafür sorgen, dass auch die Hamburger Gesamtschulen ihrem im Hamburger Schulgesetz verankerten Bildungs- und Erziehungsauftrag nachkommen können.
  • Die Hamburger Bildungspolitik muss integrierende Systeme erhalten bzw. ausbauen.

ViSdP: Andreas Baumgarten

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