Gemeinnützige Gesellschaft Gesamtschule e. V.
- Gesamtschulverband -

Landesverband Hamburg


Pressemitteilung zur Anmelderunde 2005

Hamburg, den 11. März 2005

 

Die Gesamtschulen legen weiter zu

Obwohl die Schülerzahlen in den Grundschulen rückläufig und die Gesamtschulen in den letzten Jahren stärker als alle anderen Schulformen zu den Einsparungen heran gezogen worden sind, haben auch in diesem Jahr wieder mehr Eltern als im Vorjahr ihre Kinder an einer Gesamtschule angemeldet. Nach den uns vorliegenden Angaben sind es für das Schuljahr 2005 / 2006 4345 Schülerinnen und Schüler. Die Gesamtschule ist übrigens die einzige Schulform, die nicht nur prozentual, sondern auch in absoluten Zahlen zugelegt hat; mit ca. 35% erreicht sie ihren bisher höchsten Anteil.
Dieses gute Ergebnis ist das Resultat der stetigen und seit Jahren erfolgreichen pädagogischen Arbeit der Gesamtschulen. Das wird auch eindrucksvoll durch eine wissenschaftliche Untersuchung einer Arbeitsgruppe der Humboldt-Universität zu Berlin bestätigt, die in allen Hamburger Schulen alle zwei Jahre den Lernstand und vor allem den Lernzuwachs der Schüler und Schülerinnen ermittelt.

Die einzelnen Schulen wurden von den Eltern unterschiedlich angewählt. Einige Schulen verzeichnen bis zu 60% mehr Anmeldungen als im Vorjahr, andere aber auch deutlich weniger Anmeldungen als im Vorjahr. Diese Schwankungen sind nichts Außergewöhnliches, sie treten in jeder Anmelderunde und in jeder Schulform auf. Worin dafür die Ursachen zu suchen sind, muss noch analysiert werden. Da aber an mehreren Gesamtschulen erheblich mehr Schüler und Schülerinnen angemeldet worden sind, als von der jeweiligen Schule aufgenommen werden können, wird in den meisten Fällen ein Ausgleich möglich sein.

In dem neuen Schulentwicklungsplan der Behörde für Bildung und Sport wird für jede Schulform eingehend begründet, welche Zügigkeit jede Schule erreichen sollte, damit "die organisatorischen und fachlichen Grundlagen für einen optimalen Schulbetrieb gegeben sind". Es wird auch eine Mindestzügigkeit genannt, bei der "ein angemessener Schulbetrieb noch möglich" ist. Diese Mindestzügigkeit erreichen zwar ca. 90% der Gesamtschulen, aber nicht einmal die Hälfte der Haupt- und Realschulen und nur drei Viertel der Gymnasien. So stellt sich für die andere Hälfte der Haupt- und Realschulen und für ein Viertel der Gymnasien die Frage, wie an diesen Schulen ein "angemessener Unterricht" gewährleistet werden kann.

Auch diese Anmelderunde hat den Trend der vergangenen Jahre bestätigt und verstärkt: Die Haupt- und Realschulen nehmen stetig ab, die Gymnasien bleiben stabil und die Gesamtschulen legen kontinuierlich zu. Da die Haupt- und Realschulen nicht einmal mehr 20% der Schülerschaft erreichen, wird die schleichende Entwicklung zu einem zweigliedrigen Schulsystem immer wahrscheinlicher. Das aber will nach allen bisherigen Verlautbarungen keine politische Partei in unserer Stadt. Wenn die Zweigliedrigkeit nicht schicksalhaft hingenommen werden soll, wird die bisher tabuisierte Schulstrukturdebatte unausweichlich. Wir schlagen vor, sich ihr zu stellen mit dem Ziel, eine Schule für alle zu schaffen, die eine frühe Auslese vermeidet, die eine individuelle Förderung ohne innere oder äußere Barrieren ermöglicht, die als selbstverantwortete Schule geführt werden kann, die sich dem Wettbewerb um die bestmögliche Erreichung der vereinbarten Bildungsziele stellt und die den Anschluss an die Leistungen anderer europäischer Schulen gewährleisten kann.

Jürgen Riekmann
Mitglied im Landesvorstand der GGG
Landesverband Hamburg

 

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