Gemeinnützige
Gesellschaft
Gesamtschule e. V.

gemeinsame Presseerklärung

" ' Unfug denkt man sich nicht aus', erwiderte er, ' Unfug wirdís von ganz allein. Aber dass es Unfug war, weiß man erst hinterher.' " (aus Astrid Lindgrens Buch "Michel aus Lönneberga")

Der Zappelphilipp aus Heinrich Hoffmanns "Struwwelpeter" ist zum Inbegriff und Synonym für jene Kinder geworden, die unter dem Aufmerksamkeitsdefizitsyndrom (ADS, ADHS) leiden. ADS-Kinder kommen erfahrungsgemäß mit ihrer Umwelt ganz gut klar, bis sie eingeschult werden. Erst damit setzt der Druck ein, in der schulischen Situation nicht aufzufallen und sich anzupassen. Dieser Druck lässt manche Eltern so sehr verzweifeln, dass sie die Lösung der Probleme in der Behandlung mit Medikamenten, insbesondere Ritalin, versuchen. Tatsächlich hat sich der Verbrauch von Ritalin in Deutschland in den letzten sechs Jahren verzehnfacht.

Der Elternverein Hamburg und der Landesverband Hamburg der Gemeinnützigen Gesellschaft Gesamtschule (GGG) wollen mit ihrer Veranstaltung "Störungen im Unterricht - Ritalin: ein pädagogisches Mittel?" am 20. November 2001 diese Entwicklung problematisieren (inwieweit helfen Medikamente, wo liegen Gefahren, und gibt es Alternativen?) und sie gleichzeitig in Bezug setzen zu aktuellen schulpolitischen Entwicklungen in der Hansestadt: So plant der neue Senat Kürzungen bei den integrierten Gesamtschulen und will die Schulzeit bis zum Abitur auf zwölf Jahre absenken. Bereits die Lehrpläne in der Grundschule sollen dem angepasst werden. Ein eingeengter Leistungsbegriff, Auslese, Entmischung statt Integration produzieren dann schon in der Grundschule frühe Schulversager.

Jedes Kind hat ein Recht auf Chancengleichheit. Niemand darf schon im Primarbereich zum Verlierer gemacht werden. Auch in der Sekundarstufe brauchen die Kinder und Jugendlichen eine Schule, die sich am Prinzip der Integration orientiert. Dies sind in Hamburg die Grundschulen und integrierten Gesamtschulen und insbesondere die dort eingerichteten Integrationsklassen. Hilfe und Zuwendung brauchen Zeit und ausreichende Ressourcen.

Wir fordern den Senat auf, hierfür ausreichende Mittel zur Verfügung zu stellen, die notwendigen Rahmenbedingungen zu schaffen und sich somit auch der Probleme der ADS-Kinder anzunehmen.

Hamburg, 20.11.2001

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